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Samstag, Dezember 18, 2010

[Rezension] "Black Out" von Andreas Eschbach

Inhalt

Christopher ist auf der Flucht - auf der Flucht von der Technik die jeden Menschen 24 Stunden am Tag unweigerlich umgibt. Doch für Christopher könnte diese Technik tödlich sein. Als er dann den Fehler macht, an einer Tankstelle mit seinem Fingerabdruck zu bezahlen, werden er und seine Freunde Serenity und Kyle von mehreren bewaffneten Hubschraubern verfolgt. Als sie gerade noch fliehen können, begegnen sie einem Ehepaar, das offensichtlich eine Autopanne hat. Doch Christopher bemerkt schnell, dass sie sich wie im Gleichklang bewegen und animiert seine Freunde zur erneuten Flucht. Im Auto beginnt er dann zu erzählen - von seiner Vergangenheit als Computer Kid, dem besten Hacker der Welt und den unmenschlichen Experimenten einer Gruppe, die sich die Kohärenz nennt. Er ist der Meinung, dass nur einer diese Kohärenz bekämpfen kann, aber dafür muss er Kyles und Serenitys Vater finden, der landesweit als gefährlicher Terrorist gesucht wird...

Meinung

Wow, was für ein spannender Einstieg, gleich im Prolog werden Christopher und seine Freunde von Hubschraubern verfolgt und kommen nur knapp mit dem Leben davon. Man weiß noch nicht, warum die drei verfolgt werden und vor allem von wem. Dies erfährt man erst später, als Christopher von seiner Kindheit zu erzählen beginnt. Schon mit zehn Jahren war er der berühmteste Hacker der Welt und hat sich und seine Familie in große Schwierigkeiten gebracht. Als er etwas älter war, wollte er einen Fehler seiner Mutter ausbügeln, indem er eine Milliarde Dollar auf alle Bankkonten dieser Welt überwiesen hat - was unweigerlich zum weltweiten Wirtschaftszusammenbruch führte.

Dies war die erste Idee dieses Jugend-Thrillers, die ich unglaublich genial fand, denn wenn man darüber nachdenkt, ist es logisch, dass genau das eintritt, was im Buch beschrieben wird: nichts funktioniert mehr, weil alle reich sind und es daher nicht nötig haben arbeiten zu gehen. Das macht deutlich das man mit Geld allein nicht weit kommt - ganz im Gegenteil.
Das nächste Thema, das in "Black Out" aufgegriffen wurde, hat mich allerdings noch mehr begeistert und zum Nachdenken gebracht. Es geht nämlich vor allem darum, dass wir heutzutage geradezu von der Technik abhängig sind und dadurch auch etwas bequem werden. Wer von uns könnte sich schon einen Tag ohne Internet oder Handy vorstellen? Ich auf alle Fälle nicht. Eschbach hat diese Technikabhängigkeit allerdings auf die Spitze getrieben, indem er über eine Gruppe schreibt, die eine Technik entwickelte um die Gehirne von Menschen miteinander zu verknüpfen - genau wie in einem Computernetzwerk. Dadurch wäre niemand mehr allein, so Linus, der große Verfechter dieser Wissenschaft. Schon bald wird klar, dass zwar wirklich niemand mehr allein ist, wenn er durch die Augen von Tausenden sieht und die Gedanken aller Mitmenschen hört, doch es geht auch das verloren, was den Mensch zum Mensch macht: seine Individualität. Er wird nicht mehr als eigenständige Persönlichkeit angesehen sondern als Teil der Kohärenz. Diese Kohärenz setzt alles daran, alle Menschen auf dieser Welt zu vernetzten, indem sie ihnen Chips ins Gehirn implantiert. Als sich dann auch seine Eltern der Kohärenz anschließen und Christopher unter Zwang einen Chip implantieren, sieht er keinen anderen Ausweg als die Flucht. Denn er hat den Vorteil, dass er sich im Gegensatz zu allen anderen Menschen von der Kohärenz abschotten kann und daher noch eigenständig denkt.

Neben den ethisch überaus interessanten Themen, die in diesem Buch aufgegriffen werden, haben mich auch die Charaktere überzeugt. Vor allem Christophers Mut und Kampfgeist sind bewundernswert. Außerdem bin ich mir sicher, dass sich in den Fortsetzungen von "Black Out" eine Liebesgeschichte zwischen ihm und Serenity entwickeln wird.
Bei dieser Reihe bin ich mir im übrigen nicht sicher, ob sie positiv enden wird, denn bis jetzt scheint die Kohärenz geradezu unantastbar und ich kann mir noch nicht vorstellen, was Christopher als nächstes gegen sie unternehmen will. Ich bin mir jedoch sicher, dass diesem hoch intelligenten und sympathischen Jungen etwas einfallen wird.

Diese tiefgründigen geradezu philosophischen Themen machen "Black Out" auch zu weit mehr als einem Jugendbuch. Ich bin der Meinung, dass dieses Buch für Menschen aller Altersgruppen interessant ist.

Fazit

Intelligente Zukunftsvision, die zum Nachdenken anregt - eine glasklare Leseempfehlung von mir!



Zusatzinformation:

Der 2. Teil dieser bisher offenen Reihe (ein 3. Teil ist bereits bestätigt) erscheint 2011 unter dem Titel "Hide out" im Arena Verlag.


Für dieses Rezensionsexemplar bedanke ich mich herzlich bei




Dienstag, Juli 06, 2010

[Rezension] "Höllenflirt" von Beatrix Gurian

Inhalt:

Toni ist ein rebellischer Teenager, sie spielt in einer Punk-Band und mit dem neuen Mann ihrer Mutter kommt sie überhaupt nicht zurecht.
Vor kurzem hat sie sich von ihrem Freund und Bandkollegen Robert getrennt, denn sie ist unsterblich in Valle verliebt. Doch der hält sie auf Distanz. Um ihm zu beweisen, dass sie alles für ihn tun würde, lässt sich Toni zu einer Mutprobe überreden. Diese läuft allerdings gehörig schief, denn der Kaufhausdetektiv, der sie nach ihrem Diebstahl verfolgt, kommt durch einen tragischen Unfall ums Leben. Valle hilft ihr gemeinsam mit seinen mysteriösen Freunden aus der Patsche und lässt die Leiche verschwinden. Doch auch dieser Vorfall bringt Valle und Toni nicht wirklich näher, und Toni fällt auf, dass sie eigentlich kaum etwas über ihn weiß, weder wie er sein Geld verdient, noch wer seine Familie ist.
Als Valle ihr dann auch noch erklärt er sei ein Satanist, ist Toni zwar ein wenig schockiert, aber an ihren Gefühlen für ihn ändert diese Tatsache nichts. Erst als sie einer Totenmesse unter einer alten Kirche bewohnt, bemerkt Toni wie gefährlich Valles Freunde wirklich sind und dass nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Schwester in großer Gefahr schweben. Hatte Valle sie in eine Falle gelockt? Oder steckt doch etwas ganz anderes dahinter?

Meinung:

Dieses Buch beginnt schon unglaublich spannend: Toni flüchtet vor dem Kaufhausdetektiv, der bei der Verfolgungsjagd stirbt.
Dieser abrupte Einstieg in die Handlung hat mich sehr angesprochen. Von Anfang an kann man die Ängste und Sorgen der verzweifelten Toni nachvollziehen.

Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen, denn sie gibt die Ich-Erzählung von Toni sehr authentisch, in einer für eine 17-Jährige passenden Sprache wieder. Dadurch kann man sich sehr gut in Toni hinein versetzen.

Auch die Alltagsprobleme von Teenagern werden sehr authentisch wiedergegeben und ich bin mir sicher, dass sich die Zielgruppe des Buches gut mit Toni identifizieren kann.
Dass gleichzeitig mysteriöse Dinge passieren, macht "Höllenflirt" spannend und das Thema Satanismus hat mir insofern gut gefallen, weil es nicht allzu viele Jugendbücher gibt, die sich damit befassen.

Das einzige Manko an diesem Buch ist, dass die Handlung teilweise zu konstruiert wirkt, denn viele Vorfälle, die scheinbar zufällig geschehen, sind etwas unrealistisch.

Dennoch hat es die Autorin geschafft, einen Jugendthriller zu schreiben, der bis zum überraschenden Ende spannend bleibt und den man wirklich so gerne liest, dass man ihn kaum aus der Hand legen will.

Fazit:

Da ich mich mit meinen 20 Jahren für dieses Jungendbuch schon etwas zu "alt" fühlte und wegen der teilweise konstruierten Handlung gebe ich 4 von 5 Sternen.


Zur Autorin:

Beatrix Gurian geboren 1961, studierte Komparatistik, Italoromanistik sowie Theater- und Literaturwissenschaften. Anschließend war sie Redakteurin bei verschiedenen Fernsehproduktionsfirmen. Seit 2001 ist sie auch als Jugendbuchautorin erfolgreich. Gurian lebt gemeinsam mit ihrer Familie in Bayern.


Vielen lieben Dank an den Arena - Verlag für die Bereitstellung von diesem Rezensionsexemplar.