Dienstag, August 24, 2010

[Rezension] "Das Buch der verlorenen Dinge" von John Connolly

Inhalt

Schon während der schweren Krankheit seiner Mutter, hat sich David gewisse Verhaltensweisen angeeignet, z.B. dass er alles in seiner Umgebung zählt. Da nur gerade Zahlen "gut" sind schlägt er sich unter anderem noch mal an den Kopf, nachdem er irgendwo angestoßen ist. All das tut er, da er der Meinung ist, seine Mutter würde sterben, wenn er auch nur eine dieser selbst auferlegten Regeln missachtet. Doch seine Mutter stirbt, obwohl er sich brav an aller Regeln gehalten hat. David ist daher am Boden zerstört. Als dann auch noch eine neue Frau in das Leben seines Vater tritt, verbringt er immer mehr Zeit mit Büchern um sich abzulenken. Schon bald beginnen die Bücher mit ihm zu sprechen. Eines Tages hört er dann die Stimme seiner toten Mutter, die ihn zu einer bestimmten Stelle im Garten lockt. Dort taucht er in eine Welt ein, die noch kein Mensch vor ihm betreten hat, denn diese Welt setzt sich aus den Geschichten zusammen, die David bisher gelesen hat.
Diese Fantasiewelt ist aber alles andere als angenehm und David möchte so schnell wie möglich nach Hause. Dafür benötigt er jedoch das "Buch der verlorenen Dinge". Er begibt sich auf eine abenteuerliche Reise quer durch die Märchenwelt...

Meinung

John Connolly entführt den Leser mit "Das Buch der verlorenen Dinge" in eine Märchenwelt, die so ganz anders ist, als sie sonst immer dargestellt wird. Alles ist ein wenig düsterer, gefährlicher und aufregender.
Der Autor hat durch die Vermischung bekannter Märchen eine ganz neue Geschichte erschaffen. Dabei kommen auch lustige Abschnitte zu nicht zu kurz. Mein persönliches Highlight war Schneewittchen - das dicke, hässliche, gemeine Schneewittchen, das ihren Zwergen ganz schön auf die Nerven geht. Die Erinnerung an diesen Teil der Handlung zaubert mir immer noch ein Lächeln auf das Gesicht. Auch die etwas andere Geschichte von Hänsel und Gretel ließ Nichts zu wünschen übrig.

Doch es gab auch sehr düstere, um nicht zu sagen furchtbare und grausame Handlungsabschnitte. "Die Jägerin" zum Beispiel, die sich aus dem Kopf von Menschen und den Körper von Tieren das perfekte Jagdobjekt bastelt, war richtig gruselig. Hier wurde der 12-Jährige David zum ersten Mal zum Helden, denn seine Idee sie zu überwältigen ,war einfach genial.
Auch den Charakter des schwulen Prinzen, Roland, der zu Davids Wegbegleiter und Freund wird, fand ich sehr gelungen.

Neben den Inhalten, die aus den verschiedensten Märchen zusammengewürfelt wurden, verwendet der Autor auch eine Sprache, die man sonst nur von Märchen kennt. Das hat sehr gut zur Handlung gepasst, eine moderne Sprache wäre einfach nicht glaubhaft gewesen.

Auch der aus Märchen nur zu gut bekannte Kampf zwischen Gut und Böse hat nicht gefehlt und auch hier hat das Gute am Ende gesiegt.

Bis zum Ende gab es viele unerwartete Handlungen, sodass das Buch immer eine gewisse Spannung aufrecht erhielt.
Am besten gefallen haben mir allerdings die letzten 10 -20 Seiten, die vom gealterten David handeln und der Spruch des Försters "Am Ende kehren alle hierher zurück" hat mich zu Tränen gerührt. Die Vorstellung nach dem Tod in seiner eigenen Fantasiewelt zu leben, finde ich wunderschön.

Was mich allerdings sehr gestört hat, war die Aufmachung des Buches, denn selten habe ich so klein gedruckte Buchstaben gesehen. Das Lesen wurde dadurch teilweise sehr anstrengend und ich musste des öfteren Pausen machen, um meine Augen zu entspannen. Das muss meiner Meinung nach einfach nicht sein, es wäre doch nicht zu viel verlangt, den Text in einer angenehmerenn Schriftgröße abzudrucken.

Fazit:

Ein Märchen für Erwachsene, das gewisse Etwas hat mir aber gefehlt.



Vielen Dank für die Bereitstellung von diesem Rezensionsexemplar an Ullsteinbuchverlage





Kommentare:

  1. Ohho, mal wieder ein Buch, das wohl auf meine Wunschliste wandern muß.
    Liebe Grüße Petra

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  2. So unterschiedlich können die Meinungen über das Buch sein. Mich hat es total in den Bann gezogen. Viele Dinge haben mich in meine eigene Kindheit zurück versetzt, weil sich vieles von Davids Ereignissen mit den meinigen ähnelten. Gruseln und Lachen wechseln sich hier wirklich ab. Aber die Spannung bleibt von der ersten bis zur letzten Seite. Das gewisse Etwas - was dir gefehlt hat - liegt wahrscheinlich in deiner eigenen Imagination. Das Buch ist einfach nur empfehlenswert. Allerdings wegen der doch recht brutalen Darstellungsweise der Geschehnisse nicht unbedingt für jüngere Kinder geeignet.

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